IT Klub Mainz & Rheinhessen: Das war gestern neu

Der IT Klub Mainz & Rheinhessen hat mich schon ein wenig in seinen Bann gezogen. Warum? Weil es hier einen echten Austausch auf fachlicher Ebene gibt! Kann doch gar nicht sein? Kann doch! Auf dem Treffen der Themengruppe Marketing am 28.02.2018 – also gestern – gab es spannende Themen rund um das wunderbare Buzzword „Content is King!“. Hier in Kürze, was der IT Klub Mainz & Rheinhessen so zu bieten hatte.

Das „WHY?“ leben: Themengruppe Marketing des IT Klub Mainz & Rheinhessen

Die Themengruppe Marketing des IT Klub Mainz & Rheinhessen tagt mehrfach im Jahr und es hat sich mittlerweile das Vortragsformat etabliert, bei dem die Mitglieder den anderenwelchen positive Erfahrungen mit Methoden und Techniken und exzellente Fundstücke im Netz vorstellen. Und: Man begründet auch ausführlich, warum man gerade das eine oder andere Ding vor allen auf den Tisch stellt.

Was ist daran so besonders?

Wer nicht stets im eigenen Saft schmoren will, braucht Input von außen und vor allem den Kommentar aus anderem Blickwinkel. Oftmals reicht eine Beleuchtung eines selbst erlebten Themas aus einer leicht geänderten Perspektive, die eine Fehlinvestition vermeiden oder eine Chance erkennen lässt. Diese Möglichkeit ist auch der Grund, warum die Events der Themengruppe Marketing auch immer gut besucht sind.

Okay, gestern bei frostigen -10° ( gefühlte -45°! ) auf der Mainzer Rheinstraße und dank der anhaltenden Grippewelle hatte es viele Besucher vom Weg zur Veranstaltung schlichtweg hinweggerafft. Dieses Mal kamen nur die Harten in den Garten. Umso familiärer und herzlicher war der Austausch in der Runde der Marketeers mit Wikingernatur.

Themen auf der Bühne

Uwe Unterschütz von der Onlineagentur leitete die Vortragsveranstaltung und führte durch die Themen.

  1. Das Blog: Wo es herkommt und warum es gerade jetzt so wichtig ist wie nie zuvor.
  2. SEO: Wie Suchmaschinenoptimierung im Jahr 2018 funktioniert.
  3. Video-Marketing im Mittelstand: Zwei bemerkenswerte Video-Umsetzungen aus zwei Blickwinkeln betrachtet.

I. Das Blog

Der Vortrag von Kathrin Eyben (rocon Rohrbach EDV-Consulting GmbH) in Kooperation mit Hannah Specht (onlineAgentur.de GmbH) zeigte die Entwicklung des Weblogs von den ersten Anfängen bis in die Gegenwart. Der Fokus lag letztendlich auf den Möglichkeiten, welche ein Blog für das Marketing des Mittelstands bietet.

Grau ist alle Theorie, weswegen Hannah Specht den Mitgliedern der Themengruppe Marketing eine Checkliste für das eigene Vorgehen beim Aufbau eines Corporate Blogs zur Verfügung stellte. Die Checkliste beantwortet einige sehr wichtige Fragen.

  • Welche Schritte gehe ich beim Aufbau des Blogs?
  • Welche Fehler vermeide ich?
  • Welche Chancen sollte ich nutzen?
  • Wieso sind Blogs gut für SEO?
  • Und: Wie kann das Blog mit überschaubaren Aufwand betrieben werden?

Zudem hatten beide Referentinnen Links zu bemerkenswerten Blogs zusammengetragen und stellten dem Auditorium die Blogs vor und kommentierten die Gründe für die getroffene Auswahl. Das Feedback aus dem Publikum zeigte, dass viel Neues und viel Gutes zur Vorstellung kam. Die Powerpoint-Präsi wird Mitgliedern des IT-Klubs gerne zugemailt.

II. SEO neu gedacht

Das Thema SEO wurde von meinereinem vorgetragen. Zwei Themen hatte ich gestern abend mitgebracht. Das Eine ist die Antwort auf die Frage „Wie kommen Inhalte auf meinen Blog?“ und knüpfte direkt an den Vortrag von Kathrin Eyben und Hannah Specht an. Denn: Letztlich lebt ein Blog nur, wenn auch regelmäßig Inhalte publiziert werden. Hierzu erläuterte ich viele Tipps und Regeln aus meinem Blog-Beitrag über das Erstellen von SEO-Texten.

Das zweite Thema zeigte auf, wie man SEO heutzutage denken sollte. „Meine Webseite soll auf Platz 1 stehen!“ ist noch immer vielfach das Credo der SEO-Gurus, doch leider absolut old school. Meine Erfahrungen aus dem Online-Marketing brechen mit dem „Ich-auf-Platz-Eins-Dogma“. Denn: Wer meine Webseite vorne stehen sieht, deren Inhalte liest, der wird sich sofort sagen, dass er dort viele von unserer Marketingabteilung wohlgeformte und wohlwollende Aussagen vorfindet. Da bröckelt eventuell die Authentizitätsvermutung etwas ab, da Inhalte auf Corporate Websites meist unter dem Stigma der angenommenen Werblichkeit leiden, auch wenn dies manches Mal völlig unangemessen ist.

Wie geht es anders?

Wird in einem Fachmagazin ein Bericht über Unternehmen, Marke, Produkt oder Person veröffentlicht, dann wird diesem Bericht sehr viel mehr vertraut, als einer gleichlautenden Veröffentlichung auf der eigenen Corporate Website. Doch wie kommt man mit einem redaktionellen Beitrag in ein Fachmagazin? Wer jetzt an die klassische PR-Agentur denkt, der liegt hier völlig schief. An einem praktischen Beispiel stellte ich eine Alternative vor, welche als Kampagne seit dem Jahr 2015 sehr erfolgreich das Produkt eines Kunden ins rechte Licht rückt.

III. Video-Marketing im Mittelstand

Was treibt den Mittelstand in Sachen Video so um? Martin Michenfelder und Hans-Jürgen Schwarzer stellten anhand zweier Fundstücke auf YouTube vor, wie Mittelständler Video für ihr Marketing einsetzen.

„Wie setzt der Mittelstand Video für sein Marketing ein?“

Diese Frage wurde bereits auf einer früheren Sitzung der Themengruppe Marketing gestellt. Wir befanden das Thema für sehr interessant und haben uns spontan entschlossen, der Frage im Zwo-Mann-Team nachzugehen.

Spannend stellten wir uns die Aufgabe auch schon deswegen vor, weil wir beide das Thema Video vor völlig unterschiedlichen Hintergründen betrachten. Während Martin Michenfelder als Geschäftsführer eines Mainzer Unternehmens Video vor allem als Rezipient wahrnimmt, hat meinereiner als Leiter einer Agentur und Video-Marketing-Experte den fachlichen Zugang und wird bei einem Video vor allem seine geliebten „KPI“ betrachten. Ein wenig sind wir auch Mittelständler, eben hier in Mainz ansässig und wie im Falle von Martin Michenfelder weltweit tätig. Spannend aber auch, denn man arbeitet für gemeinsame Kunden – ein jeder in seinem Fach.

Unsere beiden Fundstücke haben wir in einer Arbeitssitzung gegenseitig vorgestellt und bei Kaffee und leckerer Torte aus dem Mainzer Café Blum besprochen. Wir haben abgewogen und uns schließlich für die Präsentation zweier Fundstücke entschieden, die uns aus sehr unterschiedlichen Beweggründen heraus angesprochen haben.

Fundstück #1: Vald. BIRN A/S

Das Video, um das es hier geht, stellt die Strategie 2020 der Vald. BIRN A/S vor. In Trickfilmtechnik werden die aktuellen Unternehmenskennzahlen dargestellt, die geplanten Veränderungen von 2015 bis 2020 aufgezeigt. Vorab: BIRN ist heute eine der größten Gießereien Nordeuropas.

Warum hat Martin Michenfelder gerade dieses Video ausgewählt?

Nun, Martin gibt gerne zu, dass ihn seine unternehmerischen Interessen auf die Webseite www.birn.com geführt haben. Die Eisengießerei zählt zu seiner Kernzielgruppe, benötigt sie doch in extremem Maße sein Know-How als „Sandmann“, genauer: Als Experte für Formsand.

Wem der Begriff Formsand nichts sagt: Aus Formsand werden in einer Eisengießerei die Formen hergestellt, in welche das 1.200° heiße Eisen gegossen wird. Die Beschaffenheit des Formsands entscheidet darüber, ob die Ausschussquote der Eisengießerei unter 1% liegen kann oder über 25%. Die Michenfelder Elektrotechnik GmbH & Co. KG steuert elektronisch die Beschaffenheit des Formsands in der Eisengießerei – mit Erfolgsgarantie. Eben sehr Mainzerisch. Damit aber genug mit dem Ausflug in sein Unternehmen.

Was zeichnet dieses Video aus?

Was Martin Michenfelder sehr angesprochen hat, das ist die Tatsache, dass das Video die trockenen, jedoch teils komplexen Zusammenhänge zwischen Planungen der Unternehmensentwicklung und der Firmenphilosophie mit einfachen Bilder verdeutlicht. Die gezeichneten Figuren und Grafiken, welche man in ihrem Entstehen beobachten kann, wirken auf ihn sehr freundlich, auf Augenhöhe kommuniziert. Die Strategie bzw. Vision 2020 wird hier nicht nur für Unternehmer verständlich, sondern auch für Mitarbeiter und sicher auch für die Fachabteilungen der Kunden von BIRN. Letztlich werden diese im Video auch angesprochen, da ihnen verdeutlicht wird, dass sie letztlich auch zum Kreis der Nutznießer der Veränderungen bei BIRN zählen werden. Halt sehr sympathisch.

Inhaltlich hat ihm auch der familiäre Tenor gefallen, mit dem das Unternehmenswachstum geschildert wird. Die Belegschaft wird nicht als Gruppe von Schachfiguren dargestellt, sondern als wichtiger Träger der Veränderung. Es macht Spaß bei BIRN zu arbeiten und die Veränderungen mitzutragen, ja herbeizuführen. Das kam auch zwischen den Zeilen rüber.

Wenn man ehrlich sein soll, dann hat bei diesem Video nicht nur seine Machart beeindruckt. Überzeugt hat auch das, was im Video über das Unternehmen zu erfahren ist. Es passt sehr gut zu seinen eigenen Grundsätzen der Unternehmensführung. Das ist jetzt nicht ganz so sachlich argumentiert, aber ich denke, man wird Martin Michenfelder das verzeihen.

Etwas überrascht war er, als er feststellte, dass die drei Videos auf dem YouTube-Channel von BIRN in immerhin zwei Jahren insgesamt nur 3.200 mal angesehen wurden. Eigentlich schade.

Ganz nebenbei hat er bemerkt, dass BIRN seinen Ertrag verdoppeln möchte, während der Umsatz nur um 12,5% steigt. Das geht nur über eine Verbesserung der Auslastung und Reduzierung des Ausschusses. Ja, und da kommt er mit seinem Unternehmen wieder ins Spiel. Denn den Ausschuss kriegt nur die Michenfelder Elektrotechnik GmbH & Co. KG so klein, wie BIRN es braucht. Er führt daher bereits ein Gespräch mit den Dänen in Holstebro.

Fundstück #2: Hairsystems Heydecke

Martin Michenfelder hat ja schon angedeutet, dass meine Sichtweise auf Video-Clips eher die Performance sucht und analysiert. Dabei unterscheide ich ganz bewusst zwischen YouTube-Channels einer Dagi Bee, die 3,6 Millionen deutsche Teenies mit megawichtigen Informationen über Kosmetik andthelike versorgt und weniger knalligen Kanälen im B2B- und B2C-Umfeld. Sie sind nämlich nicht vergleichbar.

Warum habe ich den YouTube-Channel von Hairsystems Heydecke ausgewählt?

Nun, der Channel weist einige sehr interessante Merkmale auf, über die ich kurz sprechen möchte.

  1. Der Channel ist ein Musterbeispiel für Performance

    In nur etwa drei Jahren hat der Kanal über 13.000 Abonnenten gesammelt. Dies in einem Themenbereich, der oftmals ein wenig tabuisiert ist: Haarteile und Perücken. Wo sonst treffen Ängste, Betroffenheit und Unsicherheiten bei Konsumenten so harsch aufeinander?

  2. Der Kanal greift das Thema auf und erhebt es stilvoll. Ängste werden genommen, wie zum Beispiel mit dem plakativen „Cabrio-Test“. Der Vertrauensaufbau geschieht hier mustergültig.

    Darüber hinaus wird das Thema Kunsthaar auch im Mode-Kontext platziert, wodurch der Interessent im Zweifel seine Unsicherheiten als schüchterner Glatzenträger gegen das positiv besetzte Image eines modebewussten Mannes wechseln kann.

    Welch ein Tausch!

  3. Der Kanal füllt die Marktnische vollständig aus. Alle Videos haben eine maximale Performanz (hohe durchschnittliche Wiedergabedauer) und ranken für nahezu alle Fragen rund um das Thema Haarteile zu Anwendung und Ängsten.

Das in Hamburg ansässige Unternehmen kann seinen YouTube-Channel nicht nur wegen seiner immensen Reichweite als wichtiges, weil zugleich verkaufsförderndes Marketing-Instrument ansehen. Der Channel trägt auch ganz wesentlich zur Wahrnehmung der Marke bei.

Ich selbst habe einen ganz besonderen Bezug zu diesem Channel. Der Channel ist das Werk unseres YouTube-Experten Alex, den ich im Jahr 2015 für unser Video-Marketing-Team gewinnen konnte. Ich bewundere ihn für sein Werk. Er hat mir viele der Videos vorgestellt und die Mechanismen der eingepflanzten Kommunikation im Detail vorgestellt. Es ist auch die Perfektion, mit welcher er die einzelnen Szenen konzeptioniert und feinstens aufeinander abstimmt – und schließlich auch produziert hat. Alex ist ein sehr feinsinniger Mensch, den ich ob seiner emotionalen Intelligenz sehr schätze.

Wenn ich den Kanal an dieser Stelle vorstelle, dann auch, weil ich ihn als ein Musterbeispiel für den Einsatz von Video als Marketing-Instrument für ein Unternehmen ansehe. Es zeigt das volle Potential von YouTube in Marketing und Vertrieb auf.

Die Bewunderung großartiger Leistungen ist für mich auch sehr Mainzerisch. Insofern schließt ich hier der Kreis wieder.

Fazit aus den beiden Videos

Die beiden vorgestellten Beispiele sind sehr gegensätzlich, machen aber auch deutlich, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind.

Die Themengruppe Marketing des IT Klub Mainz & Rheinhessen

Die außergewöhnlich starke Resonanz des Auditoriums mündete in den Wunsch, das Veranstaltungsformat zeitnah zu wiederholen – sofern bis dahin die sibirischen Temperaturen dem Frühling gewichen sind. Wer jetzt nach dem Lesen dieser Zeilenmittun möchte, der kann hier Informationen zu aktuellen Veranstaltungen des IT Klub Mainz & Rheinhessen anrufen.

Best

Hans-Jürgen Schwarzer


Bildnachweis: © Fabian Brandl

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